Ausbeuten, intrigieren, träumen: That’s Life
News vom: 26. März 2011 | Augusta

Zürich, Theater Winkelwiese – Ein Boulevardstück über die kapitalistischen Ausbeutungsmechanismen: Ein solches Stück hat der US-Dramatiker Richard Dresser geschrieben. In Dressers «Augusta» verdingen sich Claire und Molly für eine Reinigungsfirma, die damit wirbt, dass sie die Böden ihrer Kunden auf Knien wischt. Nun wurde Dressers Stück in der Regie von Nils Torpus zur Schweizer Erstaufführung gebracht.

So richtig zu packen und treffen vermag «Augusta» nicht. Zu wenig überdreht sind die Boulevardelemente; allzu plump und naiv kommt die Ausbeutungskritik daher. «Wie kann man weniger als das wenigste kriegen?», fragt Claire, wenn die Unterschreitung des Mindestlohns zum Thema gemacht werden soll. «Das ist, wie wenn man mehr als das meiste kriegt. Oder grösser ist als der Grösste.»

Nils Torpus und sein Theater Marie haben sich redlich um Dressers Stück bemüht. Renato Grob hat auf der Bühne einen Quadratmeter Parkett ausgelegt und einen Kronleuchter drüber gehängt: Auf diesem Parkettstück schrubben Molly (Miriam Japp) und Claire (Francesca Tappa) mit Lappen und Zahnbürste. Getragen wird das Parkett von Armierungseisen, die den ganzen Bühnenboden überdecken: Das Parkett und die Kronleuchter scheinen nicht für alle zu reichen.

Zwischen dem Eisen, dem Parkett und umgeben von einigen Versatzstücken der amerikanischen Lebenskultur betreiben Claire, Molly und ihr schmieriger Chef Jimmy (Michael Schwyter) ihre Ausbeutungs- und Intrigenspielchen, mit denen sie sich behaupten, einen Vorteil verschaffen oder den grossen Aufstieg schaffen wollen. Doch am Ende haben sie ihn alle ausgeträumt, den amerikanischen Traum von einem besseren Leben – und ab Band dudelt Frank Sinatras «That’s Life».

Tages-Anzeiger, Zürich 26.03.2011

 
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