Projektbeschreibung

„Warten auf Godot“  ist auch im Gefängnis ein Klassiker. Mit diesem Stück begann 1957 die Gefängnistheaterbewegung im amerikanischen Gefängnis San Quentin. Das Stück gilt als Vertreter des Absurden Theaters. Das Leben im geschlossenen Gefängnis ist vielleicht nicht absurder als hier draussen, aber die Absurdität tritt offensichtlicher zu Tage. Die Absurdität des täglichen geschäftigen Handelns, die angeordnete Beschäftigung damit man nicht durchdreht.

Das Leben geht auch im Knast weiter. Auch wenn man fünfzehn Jahre sitzt. Es ist verdammt zäh dieses Leben und der Wille weiter zu machen. 7,5 Quadratmeter Zelle. Die Fenster noch weit oben, damit man den Himmel sieht.

Wahrscheinlich lerne ich mehr als die Insassen. Er ist nicht nur Mörder, sondern vor allem ein Mensch der einen Mord begangen hat. Du sollst nicht töten, er hat es getan. Jeden Abend im Fernsehen werden sie gesucht, wird er aufgedeckt der Mord. Alle schauen gebannt zu. Das schlimmste, was nie getan werden darf, im Krieg erlaubt, hat er getan. Gesetze sind die Vereinbarung von Menschen, was erlaubt ist und was nicht, Gesetzte werden immer wieder verändert, der Zeit angepasst, gesellschaftliche Vereinbarungen, die Insassen haben aufs grobe gegen die heutigen Gesetzte verstossen.

Und jetzt arbeite ich mit ihnen „Warten auf Godot“, mein Lieblingsstück vom verehrten Samuel Beckett. Es ist eine Abwechslung für die Gefangenen, welche, wie sie nun aber merken, auch Arbeit ist. Es sind keine Laienschauspieler deren Hobby Theater ist, sondern allesamt haben sie noch nie was mit Theater am Hut gehabt. Ich habe bis anhin nur mit Profis gearbeitet, manchmal fehlt mir das pädagogische Rüstzeug, aber ich arbeite nicht wirklich anders als mit Schauspielern (und es ist auch nicht wirklich anstrengender als mit Schauspielern). Ein Satz der mir von einem Mitstreiter geblieben ist: Das erste Gebot im Knast ist, vertraue keinem. Ich weiss nicht, ob Theater ohne Vertrauen möglich ist. Mein Ziel ist, dass wir das zusammen schaffen, dass keiner aufgibt, dass es zur Aufführung kommt. Das wir dieses Ziel zusammen erreichen.

Nils Torpus

 
 
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