QUARTETT
Der Autor
Heiner Müller wurde am 9. Januar 1929 in Eppendorf in Sachsen geboren. Kurz vor Kriegsende 1945 musste er zum Militärdienst und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. In den fünfziger Jahren zunächst als Buchhändler tätig, arbeitete Müller nach seiner Übersiedlung nach Ostberlin als Journalist, so für den Sonntag und ab 1953 für die Neue Deutsche Literatur.
Parallel zu seiner publizistischen Tätigkeit für den Schriftstellerverband der DDR begann er, erste Theaterstücke zu verfassen. Nach 1958 war Müller für ein Jahr am Maxim-Gorkij-Theater in Ostberlin; danach gestattete ihm seine Popularität eine Existenz als freier Schriftsteller. Die erst 1975 gedruckte Korruptionskomödie Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande wurde aufgrund ihrer dezidierten Regimekritik nach ihrer Uraufführung 1961 vom Spielplan wieder abgesetzt (Müller wurde eine „unzureichende Darstellung der Wirklichkeit" vorgeworfen) und führte zum Ausschluss des Autors aus dem DDR-Schriftstellerverband. Nach seiner Wiederaufnahme 1988 wurde Müller 1990 zum Präsidenten der Akademie der Künste in Ostberlin gewählt. (Bereits die Verleihung des Nationalpreises der DDR 1986 hatte eine Rehabilitierung angezeigt.) Im gleichen Jahr fand in Frankfurt am Main mit der Experimenta die bislang größte Werkschau statt, die einem deutschsprachigen Schriftsteller jemals zuteil geworden war.
Nach der Wiedervereinigung 1989 präsentierte Müller seine monologische Hamletmaschine im Deutschen Theater Berlin als „Trauerstück" für von der Schließung bedrohte Bühnen in den neuen Bundesländern. 1992 avancierte er zu einem der Direktoren des Berliner Ensembles, bei dem er zwischen 1970 und 1976 bereits als Dramaturg gewirkt hatte und dem er 1995 bis zu seinem Tod kurz als Intendant vorstand. Heiner Müller starb am 30. Dezember 1995 in Berlin. Alexander Kluge („Es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind") hielt die Abschiedsrede. Mit einem nahezu kultischen Lesemarathon im Foyer des Theatergebäudes erwiesen die Mitglieder des Berliner Ensembles zusammen mit anderen Schauspielern, darunter Edith Clever, Otto Sander, Ulrich Matthes und Martin Wuttke, dem Verstorbenen acht Tage lang ihre Referenz. 1985 erhielt Müller den Georg-Büchner-Preis, 1990 den Kleist-Preis und 1996 den Berliner Theaterpreis zugesprochen. Außerdem wurde er mit dem Europäischen Theaterpreis (1991) ausgezeichnet, ein Zeugnis seines auch übernationalen Renommees.

