GÜSEL

Interview Francesca Tappa
Frage 1: Wie, wann und wo ist dir die Idee zu GÜSEL zum ersten Mal über den Weg gelaufen?
Auf der Suche nach einem Kinderstück ist mir das Buch «Was Sachen mit uns machen» von Roger Paul Droit über den Weg gelaufen. Das Buch hat mich wirklich inspiriert. Da werden Dinge lebendig, nur weil er sie in ihrer Funktion so beschreibt, dass sie zu richtigen Charakteren erwachen. Da habe ich mir überlegt, dass es eigentlich interessant wäre, statt Menschen einfach mal Gegenstände zu spielen. Kurze Zeit später bin ich dann mit einem vollen Abfallsack kollidiert und wusste sofort, dass das ein geniales Gefäss wäre, voller Inhalt, den man zum Leben erwecken könnte.
Frage 2: Du warst bestimmt selber mal ein Kind. Was hattest du damals in deiner eigenen Kindheit für eine Beziehung zu Müll?
Mein Stiefvater ist Senegalese. Wir waren deswegen oft im Senegal und da liegt halt einfach viel Müll herum. Aus dem machen die Kinder dann die tollsten Spielsachen. Sowieso wird da alles auf irgendeine Art und Weise wiederverwertet. Übrigens, das hat jetzt aber nichts mit dem Senegal zu tun, habe ich als Kind sehr gerne provoziert, habe Kaugummis vom Boden gekratzt und die einfach weitergekaut.
Frage 3: Du hast mittlerweile zwei kleine Töchter. Würdest du deinen Kindern erlauben, einen Abfalleimer zu plündern und damit zu spielen?
Draussen würde ich das vielleicht erlauben, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass ich das Spiel überwachen könnte. Zu Hause würde ich das aber sicher nicht erlauben. Das gäbe eine zu grosse Sauerei. Deswegen machen wir ja jetzt auch ein Theaterstück zu dem Thema. Da dürfen meine und auch die andern Kinder zuschauen, wie wir mit dem Abfall spielen und dürfen ihn dann auch selber nachspielen.
Frage 4: Was hoffst du beim kleinen Publikum mit GÜSEL auszulösen? Und welche Reaktionen erwünscht du dir von den Erwachsenen Zuschauerinnen und Zuschauern?
Ich hoffe, dass alle aufmerksamer werden gegenüber den Dingen, die sie wegwerfen. Besonders den Kindern möchte ich zeigen, dass anscheinend leblose Gegenstände so etwas wie eine Seele haben. Das tönt jetzt etwas esoterisch, nicht? Ich meine damit eigentlich nur, dass man mit etwas Phantasie jedem Gegenstand Leben einhauchen kann. Auf jeden Fall möchte ich den Kindern vermitteln, dass es Spass macht, sich von Dingen und Gegenständen inspirieren zu lassen, sich in sie hinein zu versetzen, um sich dann wie ein Stück Abfall zu benehmen.
