GÜSEL

Hintergründe zum Stück

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man alles, was man nicht mehr brauchen kann, einfach wegwirft und produzieren so sehr viel Abfall. Wir werfen Dinge weg, ohne zu überlegen, ob man diese Dinge vielleicht wiederverwerten könnte und ob verbrauchte Gegenstände nicht auch einen anderen als ihren ursprünglichen Nutzen haben. In gewissen Ländern ist die Entsorgung von Abfall ein so grosses Problem, dass Politiker sich damit entweder profilieren oder ins Aus manövrieren können. In anderen Ländern wachsen die Abfallberge ungehindert in die Höhe und werden zur humanitären Katastrophe, weil sie das Grundwasser vergiften und Dämpfe produzieren, die Krankheiten verursachen. Bei uns in der Schweiz ist die Entsorgung des Abfalls ein zwar teurer aber gut funktionierender Prozess zivilisatorischen Fortschritts, welcher, ganz der helvetischen Diskretion verpflichtet, eher unauffällig vor sich geht. Dazu gehört auch, dass den Kindern in der Schule beigebracht wird, dass nicht jedes Stück Müll in den gleichen Abfallsack gehört. Glas, Alu, Batterien, Karton und Papier trennen wir vom gemeinen Müll und dann gibt es noch die Grünabfuhr, für all jene, die über keinen persönlichen Komposthaufen verfügen. Wir Erwachsenen finden das zwar umständlich, halten es aber für eine gesellschaftliche Pflicht. Für Kinder hingegen ist das Trennen von Müll ein lustiges Spiel. Und auf dieser schönen Gegebenheit baut das Kindertheaterstück GÜSEL auf. Mit Müll kann man hervorragend spielen und mit Müll kann man wunderbar Geschichten erzählen.

 

Denn Müll ist nicht gleich Müll, ist also nicht einfach nur eine Ansammlung von weggeworfenen Gegenständen, für die es keinen Nutzen mehr gibt. Müll ist im Gegenteil eine interessante Angelegenheit. Müll ist eine unglaubliche Fülle von Gegenständen, in allen möglichen und unmöglichen Farben und Formen aus den unterschiedlichsten Materialien. Und jeder Gegenstand hat eine eigene Herkunft, war vielleicht Verpackung mit besonderem Inhalt oder sogar ein Gebrauchs-gegenstand mit einer spezifischen Funktion. Müll hat also auch eine Biographie, und dass er meistens stinkt, tut seinem Charme eigentlich keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, dass der Müll stinkt, macht ihn für Kinder besonders attraktiv, haben doch auch Gerüche die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Das Interessanteste am Müll ist für Kinder jedoch die Tatsache, dass er ein Tabu ist. Denn, obwohl er sich ausgezeichnet für allerlei Spässe und Unfug eignet, verbieten die Erwachsenen den Kindern im Allgemeinen das Spiel mit dem Müll. Die Crux ist nur, wenn man Kindern etwas verbietet, macht man sie genau auf dieses Etwas neugierig. Dinge, welche mit Verboten behaftet sind, bekommen so einen besonderen Reiz, den Reiz nämlich, die von den Erwachsenen gesetzten Grenzen zu überschreiten, um zu sehen, was dann wohl passieren mag. Das ist natürlich kein bewusstes Überschreiten. Es ist das intuitive Überschreiten von Grenzen, ein natürlicher Mechanismus an Kindern, den Eltern im Normalfall fürchten, aber ohne den die kindliche Selbsterfahrung eines ihrer wichtigsten Kapitel beraubt würde. Das Kindertheaterstück GÜSEL arbeitet mit dieser kindlichen Neugier am Verbotenen und nutzt sie dazu, die Kinder im Umgang mit Müll zu sensibilisieren. 

 

In unserer Wegwerfgesellschaft ist das Wissen um die ökologische Dimension des Abfalls, den wir tagtäglich produzieren leider immer noch keine Selbstverständ-lichkeit. Und eigentlich ist die Ignoranz, die wir gegenüber unserem selbst verursachten Abfall pflegen, unentschuldbar, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass der Müll am Anfang und am Ende der menschlichen Verbrauchskette steht und schon deswegen ein ökologisches Phänomen darstellt, welches definitiv vermehrter Aufmerksamkeit bedarf. Das Kindertheaterstück GÜSEL hat sich also die Sensibilisierung des jungen Publikums auf die scheinbar verbrauchten Gegenstände aus dem Müll zum Ziel gemacht. GÜSEL hat sich vorgenommen, den Kindern auf spielerische Art und Weise mehr Wertschätzung in Bezug auf das scheinbar achtlos Weggeworfene zu vermitteln.

 
 
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